STUDIO - GALLERY REINHARDT
"Flug des Schattens"    oder   Zweiter Versuch einer Levitation
"Seit 1982 arbeitete Gustav Reinhardt mit der Gruppe ODIOUS an zahlreichen Kunstprojekten für den öffentlichen Raum. Die individuelle Arbeit der einzelnen Gruppenmitglieder wurde sichtbar in ausgedehnten Wanderausstellungen,
z.B. in der Villa Stuck in München, der Kunsthalle in Mannheim, u.v.a.m.
Mit der Übernahme der Leitung der Berliner Bildhauerwerkstätten im Jahr 1985 bekam die Zusammenarbeit mit ODIOUS eine neue Dimension. Nun sorgt Gustav Reinhardt dafür, dass in den großen Berliner Werkhallen z.B. Künstler wie Anthony Caro, Workshops mit jungen Bildhauern durchführen konnten, an denen auch einige der ODIOUS Bildhauer beteiligt waren.


Foto: Otto Bauch, Dahlenburg
Ein nicht vorhersehbarer Einschnitt in sein Bildhauerdasein, so erzählte mir Gustav Reinhardt, haben die vielen Sommeraufenthalte auf Sylt bewirkt. Fern vom Berliner Atelier suchte er nach Möglichkeiten, die ihm auch während dieser Aufenthalte plastisches Arbeiten ermöglichen sollten.
Als Ergebnis dieser Suche entstanden aus Raminholz gefertigte Skulpturen, die sich eines Tages als eine neue Herausforderung an Reinhardt verselbständigten.
Seit 1991 entstand eine Vielzahl dieser dynamischen, in sich gedrehten und mit Japanpapier bespannten Objekte. Sie sind in Privaträumen, Praxen, Büros, öffentlichen Räumen und Foyers anzutreffen. Die Objekte haben durch ihre Ausgewogenheit, die sie lt. Gustav Reinhardt durch die Trimmung erreichen, die Möglichkeit, in sich zu ruhen und an kaum sichtbaren Nylonschnüren scheinbar zu schweben. Die sich im Raum leicht drehenden Objekte haben, wie eine Besucherin sagte, eine kontemplative Wirkung auf den Betrachter.

Vielleicht brauchen die allzu irdisch schweren Menschen ein eher luftiges Pendant, um sich aus ihrer geerdeten Position in Flugwesen verwandeln zu können. Dynamik, Leichtigkeit und Transparenz bilden die Brücke zu Autonomie und Gelassenheit.
Meine Rauminstallationen verstehen sich demnach als skulptural-ästhetische Umsetzung dieser Begriffe.

Dschuang-Tsu sagt: "Das Leichte ist richtig.
Beginne richtig, und es ist leicht. Fahre leicht fort,
und es ist richtig.
Der richtige Weg, das Leichte zu finden, ist der richtige
Weg zu vergessen und zu vergessen, dass es leicht ist.


Gustav Reinhardt, Berlin-Wannsee 2006


1950 in Salzburg geboren; aufgewachsen in Korntal bei Stuttgart, lebt seit 1969 in Berlin; Ausbildung als Karosseriebauer und Patentzeichner bei Porsche in Stuttgart. Studium der Architektur, Abschluss als Dipl.- Ing. an der Hochschule der Künste Berlin
1975 - 78 Anfertigung von Stahlskulpturen als Autodidakt. Angeregt durch: Julio Gonzalez, David Smith, Anthony Caro und Tim Scott, entstehen Objekte aus Landmaschinenschrott in einer Scheune bei Lüneburg und einer alten Garage in Berlin-Wannsee.
1979 - 84 Studium der Bildhauerei an der Hochschule der Künste Berlin, bei Phillip King, Dr. Robert Kudielka und David Evison, Abschluss als Meisterschüler
1980 Eheschließung mit Sibylle Hellner
1981 Aufenthalt bei dem englischen Bildhauer Phillip King in London und Besuch in Anthony Caros Atelier
1982 erste Einzelausstellung in der Galerie Wardaschko, Korntal,; Ankauf zweier Skulpturen, Sammlung Ottomar Domnick, Nürtingen ( Katalog )
1982 - 87 Mitglied und Organisator der Bildhauergruppe ODIOUS, bestehend aus: Gisela von Bruchhausen, Klaus Duschat, Klaus Hartmann, Gustav Reinhardt und David Thompson
1984 „Precencias“ Workshop, Madrid; mit Klaus Hartmann und David Thompson
1985 - 90 Aufbau und Leitung der Bildhauerwerkstätten Berlin
1987 Organisation des Bildhauer-Workshops Stahl ’87, Leitung: Anthony Caro
1988 - 89 Organisation und Durchführung einer Wanderausstellung der Bildhauergruppe ODIOUS: Villa Stuck München, Rupertinum Salzburg, Galerie im Körnerpark, Berlin, Stadtgalerie Saarbrücken, Museum Bochum( Katalog )
1992 Organisation des Bildhauer-Workshops Stahl ’92, Leitung: Tim Scott ( Katalog )
1993 -Gedankliche und konzeptionelle Weiterentwicklung der im Jahr 1990 erfundenen TWIST - Objekte
1997 - 2002 freischaffender Architekt und Geschäftsführer einer GmbH
2000 Neuentwicklung von Zeichnungen ( Farbpaste auf Kokosmatten und Himalaja Papier) Idee:Grafische Adaption der TWIST-Objekte, mit dem Ziel, eine Korrespondenz- Gewichtung im Rahmen der Ausstellungsprojekte herstellen zu können.
2002 Eröffnung des „Ateliers SHB - Reinhardt“, Konzept: Präsentationen von TWIST - Projekten in Form vom skulpturalen Raum Installationen unter eigener Regie
2003 Weiterentwicklung und Erweiterung um die Werkgruppe: Wand - Boden -und Leuchtskulpturen.
2005 - 2009 Durchführung einer Wanderausstellung 11 Stationen "Von Bad Tölz bis Hiddensee"
2008 Weiterentwicklung der TWIST-Objekte auf eine Länge von vier Meter, zur Durchführung von Installationen in großen Räumen.
2009 Gründung der STUDIO - Galerie Reinhardt in Berlin - Wannsee: Präsentation eigener Arbeiten.